Crudo Amor: Dos de Agostino Steffani para soprano y contratenorCrudo Amor: Dos de Agostino Steffani para soprano y contratenor

Sechs Kammerduette rund um die vielen Gesichter der Liebe mit Eugenia Boix und Carlos Mena

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Disco: Crudo Amor

11 de febrero de 2016


Cecilia Bartoli (Album Mission) und Philippe Jaroussky sind nur zwei der herausragenden Künstler, die sich in letzter Zeit für die exquisite Musik des exzentrischen Dichters, Sängers, Diplomaten, Bischofs, Apostolischen Vikars und Spitzels Gregorio Piva alias Agostino Steffani mit Erfolg verdient gemacht haben. Aber auch die Krimiautorin Donna Leon mit venezianischem Lokalkolorit hat das wahrlich pittoreske Leben des Barockstars Steffani asl Anlass zu einem Roman genommen. Steffani ist nämlich der tote Held ihres Krimis „Himmlische Juwelen“.

Steffani hat nicht nur 17 Opern (u.a. „Niobe Regina di Tebe“) komponiert, sondern sich vor allem als Schöpfer innovativer Kammerduette einen Namen gemacht, der schon zu Lebzeiten nicht nur Händel bekannt war. Die Kammerduette, von denen einige Kostproben auf der neuen CD Lust auf Mehr machen, sind zweistimmige Kantaten mit Continuo. Sie bilden einen Markstein der Entwicklung weltlicher Vokalmusik zwischen Giacomo Carissimi und Georg Friedrich Händel. Wie der Verlag Winter & Winter zu Recht festhält, zeichnen sich diese Duette „durch lebhafte Melodien, einen eleganten Kontrapunkt und formale perfekte Proportionen aus“. Neben der Bewunderung für große Virtuosität kann man bei Steffani aber auch satte Emotionen aus den Klängen und Farben der Stimmen schöpfen. „Die bittere Seite der Liebe und die Sanftmut genüsslich erduldeter und ersehnter Qualen“ werden im Album „Crudo Amor“ (Die dem Album namensgebende Kantate „Grausame Liebe“ widmet Steffani Sophie Charlotte, der späteren Königin von Preußen) von der fabelhaften Sopranistin Eugenia Boix mit glasklarem instrumental geführtem Sopran und dem Countertenor Carlos Mena besungen. Die Intimität der poetischen Texte und die Melancholie der Musik wird durch die abwechslungsreiche Continuo-Begleitung noch einmal klanglich differenziert vertieft. Das Ensemble Forma Antiqua unter der Leitung von Aarón Zapico ( es brillieren Ruth Verona Violoncello, Daniel Zapico Theorbe, Pablo Zapico Barockgitarre, Aarón Zapico Cembalo) zeigt, was es heißt, ein aufeinander bestens eingespielter „Familienbetrieb“ zu sein. Die Instrumentalisten könne dann noch selbständig bei Stücken wie der „Toccata Terza“ von Giovanni Girolamo Kapsberger, der „Passacaglia“ von Johann Caspar Ferdinand Fischer oder der „Passachaglia“ von Francesco Corbetta zeigen, was sie drauf haben.

Diese – wie bei Winter & Winter nicht anders zu erwarten – in jeder Hinsicht schön editierte CD bildet einen weiteren wichtigen und gelungenen Markstein der aktuellen Steffani-Renaissance.

Dr. Ingobert Waltenberger

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