"Phantasia" Cembalostücke von Froberger, Frescobaldi, Picchi u.a.

RBB KulturRadio

29 de julio de 2011


"Ein überzeugender Virtuose"


"Phantasia" Cembalostücke von Froberger, Frescobaldi, Picchi u.a.
Der spanische Cembalist Aarón Zapico läßt hören, wie ausdruchsstark das Cembalo sein kann.
Was beim Hören dieser CD zuerst auffällt, ist der Cembalo-Klang: Wer der Ansicht anhängt, das Cembalo sei lediglich eine klanglich dürre Vorstufe zum Klavier mit beschränktem Ausdrucksradius, wird vom reich modulierten Klang dieser Aufnahme beschämt.

Das liegt einerseits an der Aufnahmetechnik selbst, die das Klangspektrum des Instruments, dem Nachbau eines deutschen Mietke-Cembalos, ungewöhnlich tiefenscharf abbildet, die mechanischen Anteile der Tonerzeugung aber dennoch weitgehend im Hintergrund belässt.

Ein überzeugender Virtuose
Das liegt aber auch am Spiel des 1978 geborenen spanischen Cembalisten Aarón Zapico, der mit seinen Brüdern Daniel und Pablo das Ensemble „Forma antiqua“ bildet und Professor für historische Tasteninstrumente in Asturien ist: Er beherrscht die Möglichkeiten des Instruments so virtuos und nutzt seine Vorzüge – Klarheit, Genauigkeit und Beweglichkeit – so überzeugend, dass man in keinem Moment auf die Idee käme, es fehlte etwa an klanglicher Wucht oder Gesanglichkeit.

Zapico hat Werke aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eingespielt. Die weitaus meisten stammen von Girolamo Frescobaldi (1583 - 1643), dem ortsfesten Organisten des Petersdoms in Rom, und seinem Schüler Johann Jakob Froberger (1616 - 1667), der das Leben eines ganz Europa bereisenden Virtuosen führte.

Souveräne Verzierungskunst
Der CD-Titel „Phantasía“ ist dabei in zwei Richtungen zu verstehen: Als Gattung bezeichnete er, wie die Canzona, die kontrapunktische Verarbeitung eines Themas in mehreren Abschnitten, wobei das Thema auch Gegenstand rhythmischer oder melodischer Variation ist – nimmt man die mit virtuosen Zwischenspielen angereicherten Toccaten hinzu, stellt Zapico vier sehr unterschiedliche Beispiele dieses Komponierens vor.

Im weiteren Sinne kennzeichnet der CD-Titel auch Zapicos Spiel, seine ungemein souveräne Verzierungskunst, mit der Wiederholungen bereichert und kaschiert werden, sowie die Freiheit seines Vortrags. Insbesondere bei Froberger eröffnet Zapico eine Ausdruckswelt, wie sie erst 100 Jahre später in der Empfindsamkeit vor allem in den Fantasien von Carl Philipp Emanuel Bach erforscht werden wird: Hier gibt es Stücke, die „Plainte“ („Klage“) oder„Tombeau“ („Grabstein“) heißen und geschrieben wurden, „um die Melancholie zu vertreiben“ oder zu Ehren eines verstorbenen Kollegen, und die „ohne Beachtung irgendeines Taktes“, also frei im Tempo zu spielen sind.

Schöne Kontraste
Das klingt nach einer ungemein ernsten, komplizierten CD – und gewiss ist „Phantasía“ auch eine fordernde Angelegenheit. Aber doch nicht nur: Zwischen die expressiven und kompositorischen Schwergewichte hat Zapico viele Gagliarden, Correnten und Balletti gesetzt, knappe Tanzsätze also, die einen willkommenen Kontrast schaffen und dem Cembalo noch eine weitere, rhythmische Facette abgewinnen.

Das alles ergibt einen höchst reizvollen musikalischen Kosmos aus Strenge, Empfindsamkeit und Tanz, eingefangen im verblüffend vielfältigen Klang eines Instruments. Mit dieser fesselnd gespielten, intelligent zusammengestellten CD kann man sich immer wieder beschäftigen: Sei es, um den diffizilen musikalischen Konstruktionen auf den Grund zu gehen oder der musikalischen Entwicklung vom madrigalisch gedachten Espressivo Frescobaldis zur instrumentalen Rhetorik Frobergers nachzulauschen.

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