Forma antiqva gastierte bei den Bachwochen

Thüeringer Allgemeine | 29 marzo 2016

Crítica sobre El Gran Tour @ Thuringia (Alemania)

Bestürzung vorm Schwarzen Brett der Eisenacher Georgenkirche: Carlos Mena musste krankheitsbedingt absagen! Countertenor Flavio Ferri-Benedetti sprang jedoch für ihn ein.

Bestürzung vorm Schwarzen Brett der Eisenacher Georgenkirche: Carlos Mena musste krankheitsbedingt absagen! Beim Konzert der Thüringer Bachwochen am Ostersonntag mit der „Forma antiqva“ sollte der renommierte Countertenor das Sahnehäubchen sein, nun musste ihn undankbarerweise Flavio Ferri-Benedetti, wie er und auch die Instrumentalisten ausgebildet bei der Schola Cantorum Basiliensis, ersetzen.
Es dauerte, bis er seine Linie gefunden hatte. Bei der Bach-Kantate „Ich habe genug“ BWV 82 mühte er sich noch mit der Fassung der Höhe und einem geschmeidigen Legato – wobei wir natürlich konzedieren müssen, dass Bachs Gesangslinie anderen Gesetzen folgt als denen der italienischen Meister.

Aber dann bei Antonio Vivaldis Konzertarie „Cessate, omai cessate“ gewann er erheblich an Statur, festigte die Kontrolle über Atem und Stimmansatz, und zeigte schließlich bei „Nisi Dominus“, ebenfalls von Vivaldi, zusätzlich die Fähigkeit zu gesanglicher Ausdrucks- und Gestaltungskraft auf der Basis eines allgemein gesicherten stimmlichen Fundaments. Mit dem wahren und mitreißenden Schmelz seines Counters aber überzeugte er erst bei der Zugabe, einer schlichten weitgespannten, liedhaft fließenden und hochgelagerten Melodie, mit der er dann alle Vorzüge sängerischen Könnens ins rechte Licht setzen durfte.

Begleitet wurde er von dem spanischen Ensemble Forma antiqva unter Leitung seines Gründers Aarón Zapico am Cembalo. Lebhaftes, deklamationsbetontes, aus der Erdung gerissenes und wie zum freien Schwingen im Raum gebrachtes Musizieren begegnete dem Hörer, als würden die Ergebnisse späterer Erfahrungen und Entwicklungen zur Anwendung kommen. Das gilt gleichermaßen für das Konzert für Oboe d‘amore von Johann Sebastian Bach mit dem prächtigen Pedro Lopes e Castro als Solisten sowie für das Concerto grosso op. 6/10 von Georg Friedrich Händel. Als Problem erwies sich die Akustik der Kirche: Nur auf den hinteren Plätzen war solch weniger auf klare und festgefügte Struktur als auf lustvolle und gegenseitige Animation bedachtes Musizieren in voller Transparenz zu erleben. Das Fazit bleibt: Auch aus anderen Nationen kommen interessante Beiträge zur modernen Bachpflege.

Enlace

http://www.thueringer-allgemeine.de/web/zgt/suche/detail/-/specific/Forma-antiqva-gastierte-bei-den-Bachwochen-833475343


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